Restitution einiger Objekte aus der Völkerkundesammlung

Für die Lübecker Freien Demokraten ist die Aufarbeitung und Vermittlung des Unrechts der kolonialen Vergangenheit eine kontinuierliche Aufgabe. Einer zukunftsgerichteten, zeitgemäßen und lebendigen Erinnerungskultur kann sich unsere wandelnde Gesellschaft nicht verschließen. Deshalb begrüßt die FDP die Diskussion zur Restitution von ausgewählten Objekten aus der Völkerkundesammlung.

„Wir sagen prinzipiell 'Ja' zu Transparenz, Dialog und berechtigter Rückgabe“, erklärt Ulf Hansen, kulturpolitischer Sprecher der FDP Fraktion Lübeck. „Gleichzeitig warnen wir in der Debatte vor einem zeitgeistkonformem Trendsettertum.  Wir müssen uns Fragen stellen: Wie sind diese Objekte in den Besitz der Sammlung gelangt? Handelt es sich tatsächlich um Raubgut oder ist der Begriff fragwürdig? Bestehen Rechtsansprüche aus Herkunftsgesellschaften bzw. ihren Rechtsnachfolgern?"

Hier bleibt die von der Verwaltung eingebrachte Vorlage als Grundlage für die freiwillige Restitution eher vage bzw. spekulativ. Es bedarf der Präzisierung. 

Die FDP wird sich daher in der 23. Sitzung des Ausschusses für Kultur und Denkmalpflege  dem Antrag der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN anschließen und für eine Vertagung stimmen.

Restitution darf sich nicht nur auf die Rückgabe beschränken. "Wir sollten uns berechtigten Forderungen aus den Herkunftsgesellschaften nicht verweigern und auch die Stifter und Stifterinnen der Exponate nicht vergessen. Dabei ist es wichtig,  wenn wir Fakten von Fiktion trennen", so Hansen weiter.

Die Völkerkundesammlung ist seit 300 Jahren Ausdruck des dauernden Engagements der Lübecker und Lübeckerinnen für ihre Heimatstadt. Sie ist Identität und Ausdruck der weltweiten Handelsbeziehungen der Bürger und Bürgerinnen. Diese besondere Verbundenheit gilt es auch in den Biographien der Stifter der zur Rückgabe ausgewählten Objekte zu bewerten, denn die Zugänge verändern sich mit jeder Generation und dem Zeitabstand zu den historischen Ereignissen. Dabei bringt es nichts mit heutigen moralischen Kriterien die damaligen Denk- und Handlungsmuster bzw. -motivationen zu ergründen.  

 

Für die anstehenden Beratungen hat die FDP-Fraktion einen Fragenkatalog formuliert, der u. a. nach etwaigen Ansprüchen von Nachfahren der Stifter bzw. ihrer Rechtsnachfolger  und nach den Kriterien für geeignete Ansprechpartner in den Herkunftsländer/ -gesellschaften fragt. 

 

Die  Freien Demokraten bewerteten es vor dem Hintergrund der Diskussion um Kulturgüter aus kolonialem Kontexten als ein Defizit, dass die "Lübecker Kolonialzeit"  bzw. die "Verstrickungen von Lübecker Protagonisten" in den Ausstellungen der Lübecker Museen bisher kaum Niederschlag fand. 

 

Die FDP-Bürgerschaftsfraktion ist überzeugt, dass der Austausch über die nun zur Restitution vorgesehenen Exponate nicht unabhängig von einer Diskussion zur Zukunft der Völkerkundesammlung geführt werden sollte.  „Die Sammlung steht im öffentlichen Raum, auch wenn sie derzeitig nicht zugänglich ist", so Hansen. Hier bedarf es einer ehrlichen Verbindlichkeit. Im Haushalt der Hansestadt sollten ausreichende Mittel für eine verstärkte Kooperation mit kulturellen Einrichtungen in den Herkunftsgesellschaften zur Verfügung  gestellt werden, z. B. für zirkulierende Ausstellungen, Dauerleihgaben, Tauschgeschäfte. Darüber hinaus  regen die Liberalen an, sich des Themas in den Ausstellungen zur Stadtgeschichte anzunehmen, ähnlich der angekündigten "Präsentation zum Jüdischen Leben in Lübeck". 

 

Der Kandidat für den Landtag, Thomas Markus Leber, beabsichtigt sich des Themas ebenfalls anzunehmen. „Wir werden die Restitution geraubter Kunstwerke durch die Unterstützung der hierfür zuständigen Einrichtungen weiter vorantreiben und Mittel für  Provenienzforschung von Sammlungsgütern aus kolonialem Kontext langfristig und deutlich erhöhen", sagt Leber. „Zusätzlich sollen Objekte in den schleswig-holsteinischen Museen aus kolonialen Kontexten schnellstmöglich und internationalen Standards entsprechend  digital  erfasst  und  in  einer  für  die Öffentlichkeit zugänglichen Datenbank veröffentlicht werden. Hier hat Lübeck eine Vorbildfunktion, die es für das Land zu nutzen gilt“, so Leber.