Kritische Betrachtung zur geplanten Altstadtsperrung

Die FDP-Fraktion sieht die von CDU und SPD geplante teilweise Sperrung der Altstadt kritisch, insbesondere, wenn diese Sperrung, wie berichtet wurde, über einen Zeitraum von Monaten eingerichtet werden soll.

 

„Ein Verkehrsversuch kann grundsätzlich neue Erkenntnisse erbringen. Wesentliche Erkenntnisse sollten aber innerhalb einer Woche offensichtlich sein. Eine viermonatige Dauersperrung ist hierzu nicht erforderlich und wird keinen Erkenntnisgewinn bringen.

Wichtig wäre es bereits im Vorfeld eines Verkehrsversuchs belastbare Alternativrouten einzurichten und auszuweisen. Sonst findet eine wenig sinnvolle, unkontrollierte Verlagerung von Verkehrsströmen in die Nebenstraßen statt. Damit würde die erhoffte Reduzierung der Verkehrsteilnehmer ausbleiben und neue Staus entstehen“, befürchtet der Fraktionsvorsitzende Thomas Rathcke. Dieses Phänomen ist aus unzähligen Baustellensituationen bekannt.

 

„Die FDP-Fraktion begrüßt das geplante Vorhaben, den innerstädtischen Bereich vom Durchgangsverkehr zu befreien. Um dieses mittelfristige Ziel zu erreichen, müssen die Verkehrsströme aber intelligent gelenkt werden. Dabei kann die Digitalisierung mit Verkehrsleitsystemen helfen.

Zudem sollten die Straßen um die Altstadt herum so weit ertüchtigt werden, dass sie die zusätzlichen Verkehre aufnehmen können. Heute sind einige dieser Straßen mehr Parkplatz als Straße.

 

Lübeck hat es während der Zeit der deutschen Teilung versäumt, Verkehrsringe wie in anderen Städten aus- und aufzubauen. Die Hansestadt hat sich seitdem von einer Grenzstadt zu einem Oberzentrum in der Metropolregion Hamburg entwickelt. Nun müssen endlich intelligente Lösungen für den fließenden und ruhenden Verkehr gefunden werden, die einem Oberzentrum würdig sind.

 

Diese Lösungen müssen Teil eines umfassenden Mobilitätskonzepts sein. Ein Weniger an Individualverkehr in der Innenstadt ist nur möglich, wenn andere Alternativen entwickelt werden. So wird dem Ausbau des ÖPNV eine Schlüsselrolle zukommen. Die Bewohner der Stadtteile und des Umlandes benötigen eine schnelle Anbindung an die Kernstadt.

Zudem erscheint eine wissenschaftliche Begleitung sinnvoll. Nur so lassen sich Antworten auf die Frage finden, wieviel Verkehr überhaupt auf Lübecks Straßen möglich ist. Die FDP-Fraktion wird hierzu entsprechende Anträge in den Gremien stellen.

Eine Sperrung von Straßen kann immer nur der letzte Schritt in einem Verkehrskonzept sein, nicht der erste“, so Rathcke abschließend.