Lübeck braucht schnellstmöglich einen neuen Chef-Verkehrsplaner!

Am Rande einer kurzfristig von der Bauverwaltung angesetzten Sondersitzung zum Radverkehr wurde bekannt, dass der Chef der Verkehrsplanung, Herr Nils Weiland, kurzfristig und für viele überraschend aus dem Amt ausscheidet. Der heutige Tag wird sein letzter Arbeitstag in Lübeck sein.

„Sein Ausscheiden bedauern wir sehr“, fasst der stellvertretende Fraktionsvorsitzende und baupolitische Sprecher der FDP-Bürgerschaftsfraktion, Thomas-Markus Leber, die neue Situation zusammen. „Wir wünschen ihm für die Arbeit an der neuen Wirkungsstätte in Bremen viel Erfolg und alles Gute!“

 Nils Weiland hat in den letzten Jahren vieles in Lübeck auf den Weg gebracht. Er war an mehreren Verkehrskonzepten beteiligt. Der Radverkehr war sein Thema. Dafür gebührt ihm großer Dank! Als Abteilungsleiter von sieben Mitarbeitern koordinierte er seit April 2017 die Verkehrsplanung. Der studierte Bauingenieur war bereits unter seinem Vorgänger Helmut Schünemann seit 2014 in der Abteilung tätig und zudem Fahrradbeauftragter der Hansestadt.

 

„Auf die neue Situation muss nun schnellstmöglich reagiert werden“, stellt Thomas-Markus Leber fest. „Der innerstädtische Verkehr bildet seit Jahren die Achillesferse der Stadt. Der Bürgermeister und die Verwaltung sind gefordert, mit Priorität alles Erdenkliche zu unternehmen, um die Lücke zu schließen, die Herr Weiland hinterlassen hat. Dies ist schon vor dem Hintergrund der anstehenden Großprojekte zwingend erforderlich!“

 

Lübeck gilt in Sachen Verkehrsplanung als überaus herausfordernd. Vieles muss in einen teilweise Jahrhunderte alten Bestand hineingeplant werden. Viele Gebäude und Teile der Straßenführung stammen aus dem 12. und 13. Jahrhundert. Zweirichtungsradwege kannte man damals noch nicht. Der Vorläufer des Fahrrades, das Laufrad, wurde erst 1817 von Karl von Drais erfunden. Die Erfindung des Automobils erfolgte noch später. Hätten die Baumeister des Mittelalters beide Erfindungen für möglich gehalten, hätten sie diese sicherlich bei ihren Planungen berücksichtigt. Da sie dies aber nicht taten, müssen die Verkehrsplaner von heute mit den aktuellen Begebenheiten zurechtkommen.

 

„Verkehrsplanung im 20. Jahrhundert ist ein komplexes und anspruchsvolles Thema. Eine der größten Herausforderungen besteht darin, die Interessen der unterschiedlichsten Nutzergruppen in Einklang zu bringen und gleichzeitig ein sicheres, effizientes und kostengünstiges Konzept zu schaffen, das zudem den jeweils geltenden Bauvorschriften entspricht. Die Lösung kommt häufig einer Quadratur des Kreises gleich, wenn versucht werden muss einen Gehweg und gleichzeitig einen Radweg im Bestand unterzubringen. Radverkehr und ÖPNV sollen attraktiver werden, keine Frage. Aber auch Fußgänger und Individualverkehr müssen bei etwaigen Konzepten hinreichend berücksichtig werden“, so Leber.

 

„Zukünftig werden noch mehr Dinge im Planungsprozess berücksichtigt werden müssen. Faktoren wie Umwelteinwirkungen, der Paradigmenwechsel in Sachen Mobilität, aber auch Vernetzung, Digitali-sierung und intelligente Verkehrssteuerung werden zunehmend wichtig. Infrastrukturen müssen noch flexibler geplant und gestaltet werden. Auch müssen die Ansprüche an multimodale und nachhaltige Angebote in Einklang gebracht werden. „Man muss die „business cases“ einer e-Mobilitätsplattform lange kennen, bevor sie sich bewährt haben, weil diese Plattform in ein geplantes Haus integriert werden muss. Man muss verstehen, ob es Sinn macht Tiefgaragen zu bauen oder Parkplätze, weil sich die Autos in 10 Jahren vielleicht alle selbst wegparken. Zugleich werden in 50 Jahren aber Lübecker immer noch in 90% der Gebäude wohnen, die heute bereits stehen.

 

Ein zukünftiger Verkehrsplaner muss diese Komplexität steuern. Jede Menge Ideen und Kreativität sind gefragt, wenn das Ergebnis allen Bedürfnissen gerecht werden soll. Zeitnah muss eine Lösung gefunden werden, die die Verkehrsplanung und damit die Stadt kompetent voranbringt“, so Leber.