Zukunft der Völkerkundesammlung

Ulf Hansen: Provenienz ganzheitlich behandeln

In der kommenden Woche wird über die Zukunft der Völkerkundesammlung im Ausschuss für Kultur und Denkmalpflege beraten. Die FDP-Fraktion sieht die Völkerkundesammlung als einen wesentlichen Baustein der Kulturentwicklung. Nicht umsonst fordert sie seit geraumer Zeit einen entsprechenden Kulturentwicklungsplan.

Mit Freude nimmt die FDP-Fraktion die Ernennung von Herrn Dr. Lars Frühsorge zum neuen Leiter zur Kenntnis. Konsequent hat die FDP-Fraktion auf die Wiederbesetzung gedrängt. Vor dem Hintergrund seiner Erfahrung bei der Entwicklung einer Erstellung eines E-Learning Angebots, erwarten die Liberalen die rasche Umsetzung einer zeitgemäßen, digitalen Präsentation der Exponate.

Zu der Frage der Neueröffnung der Völkerkundesammlung positioniert sich die FDP-Fraktion eindeutig. Es kann keine reine Wiedereröffnung geben.

Es ist für die FDP-Fraktion nur zu verständlich, dass vor der Entscheidung über die Präsentation der Exponate der Völkerkundesammlung ihre Herkunft geklärt wird. Von einer digitalen Präsentation erwartet die FDP-Fraktion darüber hinaus auch die Möglichkeit zum Austausch mit den indigenen Völkern.

Die in den Lübecker Nachrichten am Wochenende aufgeworfene Diskussion um die Herkunft der Exponate ist daher als eine Chance für eine wie auch immer geartete Ausstellungsrealisation zu sehen. Sammlungen waren schon immer auch politisch. Es gilt daher, sich kritisch mit der Vergangenheit auseinandersetzen und so Orientierung für die Zukunft zu finden. Dabei ist es für die Liberalen wichtig, dass neben den Sammlungen auch und besonders die Stifter in den Fokus genommen werden. Gerade weil die Völkerkundesammlung von „Lübeckern für Lübecker“ geschaffen wurde, wird es spannend sein, sich mit den unterschiedlichen zivilgesellschaftlichen und öffentlichen Akteuren zu beschäftigen. Die Exponate stehen so für eine Weltoffenheit und eine große Tradition hanseatischen Bürgersinns. Am Beispiel der Völkerkundesammlung kann dabei exemplarisch Lübecks Rolle im Kolonialismus, die Wirtschaftsgeschichte Lübecker Kaufleute und das bis heute wirkende koloniale Erbe aufgearbeitet werden und dieses Wissen vor dem Hintergrund konkreter Biographien in die Bildungs- und Kulturpolitik integriert werden. Es geht somit um die lebendige Gestaltung einer Verarbeitung der Vergangenheit vor dem Hintergrund der fortschreitenden Globalisierung. Indem die Sammlung durch ihre Stifter erfahrbar wird, bietet sich vielleicht auch die Möglichkeit zur Identifikation in einer sich verändernden Bürgergesellschaft.