Lübecker Julius Carlebach-Sammlung als Referenzprojekt mit nationaler Wirkung

Immer wieder kommt es zu antisemitischen Vorfällen, auch an Schulen. Jüngst kam es im Bezirk Prenzlauer Berg in Berlin zu einem brutalen Angriff auf einen jungen Mann mit Kippa. Im Kontext des derzeitigen 70-jährigen Jubiläums der Staatsgründung Israels sind diese Ereignisse beschämend.

„Der erneute antisemitische Vorfall zeigt, wie wichtig es ist in gemeinsamen Anstrengungen dem Thema Judentum und Antisemitismus im Unterricht mehr Gewicht zu geben“, erklärt Ulf Hansen, FDP Mitglied im Ausschuss für Kultur und Denkmalpflege. „Die Geschichte und Kultur Deutschlands ist ohne das Judentum nicht denkbar. Auch in Lübeck ist die Geschichte des Judentums mehr als eine Ausgrenzungs-, Verfolgungs- und Opfergeschichte. Zur Entwicklung von Prosperität und Demokratie in Europa gehören die Leistungen von Jüdinnen und Juden in Unternehmertum, Wissenschaft, Politik und Kultur. Das kann beispielsweise in regional- und lokalgeschichtlicher Perspektive verdeutlicht werden; dazu bieten sich forschendes Lernen, Spurensuche am Wohnort und andere Projekte an“, so Hansen weiter. „Es gilt das Judentum in seiner Vielfalt und Authentizität in der Schule zu thematisieren sowie den Schülerinnen und Schülern ein lebendiges und differenziertes Bild des Judentums zu vermitteln. Um Lehrern beim Aufgreifen des Themas Antisemitismus im Unterricht zu helfen, haben die Kultusministerkonferenz und der Zentralrat der Juden eine neue Webseite online gestellt. Auf www.zentralrat-kmk.de sind nun zu Themenbereichen wie „Jüdische Geschichte“, „Nationalsozialismus und Schoah“ sowie „Jüdisches Leben heute“ empfohlene Bücher, Artikel, Filme und Unterrichtsmaterialien zusammengestellt. Außerdem enthält die Webseite Ideen für außerschulische Projekte. Die ausgewählten Titel sind den einzelnen Schulstufen (Primarstufe, Sekundarstufe I und II) zugeordnet.

Die Freien Demokraten wünschen sich, dass die Unterrichtsmaterialen von den Lehrern und Lehrinnen an Lübecker Schulen genutzt werden können. Schule muss fundierte Kenntnisse und ein möglichst authentisches Bild vermitteln, um wechselseitiges Verständnis, Respekt und Dialogfähigkeit als Grundlagen einer pluralen Gesellschaft zu fördern. Eine Einbindung jüdischer Geschichte, Religion und Kultur in verschiedene Fächer und Jahrgangsstufen kann dazu beitragen, Schülerinnen und Schülern ein lebendiges und differenziertes Bild des jüdischen Lebens zu vermitteln. Auf der Homepage werden wichtige Judaica-Sammlungen vorgestellt. Es ist
zu prüfen, ob die hochbedeutende Julius Carlebach-Sammlung mit ihren über 100 Exponaten nach Abschluss der Digitalisierung der Bestände der Völkerkunde-Sammlung dort digital präsentiert werden kann und so auch
über die Hansestadt hinaus wirken kann. Julius Carlebach (28. Juli 1909 in Lübeck – 13. Oktober 1964 in New York City), seine Familie und die Sammlung stehen stellvertretend für die Verbindung zwischen jüdischer
Tradition und Stadtgeschichte. Als junger Mann stellte Julius Carlebach die Sammlung 1932 mit dem erklärten Ziel zusammen: “Wir wollen, um den Antisemitismus zu begegnen, alle jüdischen Gebräuche erklären im
Museum.” Lübeck verfügt hier über einen kulturhistorischen Schatz, der endlich wieder in der Öffentlichkeit präsentiert werden soll. Die Liberalen erwarten von dem designierten Bürgermeister, Jan Lindenau, eine
entsprechende Aussage“, so Hansen abschließend.